Versuchsanordnung zur Bestimmung der Dichtigkeit des Schwimmerventils

Gestern musste ich zwei Mal den Vergaser (BVF 30N2-5) ausbauen, da Benzin aus dem Überlaufrohr der Schwimmerkammer auf das Motorgehäuse tropfte.

Bei der eingehenden Untersuchung des Vergasers stellte ich fest, dass der Schwimmer undicht war. Nachdem ich den Schwimmer nachgelötet hatte, überlegte ich, wie ich die ordnungsgemäße Funktion des reparierten Schwimmers testen könnte, ohne den Vergaser wieder an die ETZ anzubauen.

Daraufhin entwickelte ich folgende Versuchsanordnung:

Benötigtes Material:

1 PET-Flasche Kaufland Apfelschorle 1,5 l

1 Flasche LiquiMoly Getriebeöl GL4 1 l

20 cm Silikonschlauch 6 mm Innendurchmesser

1 Cutter- oder Teppichmesser

150 – 200 ml Benzin mind. 91 Oktan

1 Stoppuhr

1 Maßband mit cm-Einteilung

1 Speiche 2mm Durchmesser, 286 mm Länge

BVF-Vergaser der Type 30N, 22N oder 24N



Vorgehensweise:

Zunächst wird die Apfelschorleflasche auf ex gelehrt und dann mit Hilfe des Messers ca. 5-6 cm vom Flaschenboden entfernt aufgetrennt. Der Schnitt sollte leicht wellenförmig verlaufen, damit der Vergaser besseren Halt findet.



Dann wird die Tülle der Getriebeölflasche an den Kopf der Apfelschorleflasche geschraubt.

Die Speiche wird in der Form eines Fleischerhakens zwei mal gebogen.

Die Flasche wird dann kopfüber mit Hilfe der Speiche aufgehängt. Der Flaschenverschluss sollte sich dabei ca. 50 cm über dem Arbeitsflächenniveau befinden.

In das Rohr der Getriebeölflasche wird dann das eine Ende des Silikonschlauchs eingeführt und das andere Ende wird auf den Kraftstoffzulauf des Vergasers, dessen Schwimmerkammer zuvor entfernt wurde, gesteckt.













Der Vergaser wird so in die aus dem Flaschenboden geschnittene Wanne gelegt, dass die Schwimmer frei beweglich sind.

Jetzt wird Benzin in den Flaschenkörper gefüllt. Zweckmäßigerweise sollte die Menge des Benzins das Volumen der Wanne nicht übersteigen.



Durch die Tülle, den Silikonschlauch, den Kraftstoffzulauf am Vergaser und das Schwimmernadelventil läuft das Benzin dann von der aufgehängten Flasche in die Wanne.

Mit zunehmendem Flüssigkeitspegel in der Wanne beginnen die Schwimmer in die Höhe zu steigen, wie auf dem linken Bild zu erkennen.



Wenn die Schwimmer weiter durch das zulaufende Benzin angehoben wurden, verschließen sie das Schwimmerventil, wodurch der Benzinfluss gestoppt (Idealfall) oder wenigstens stark vermindert wird. Dieser Zustand ist auf dem nächsten Bild zu erkennen.

Nun beobachten wir den Kraftstoffpegel im Flaschenkörper und in der Wanne.

Sollte der Pegel in der Wanne weiter steigen und im Flaschenkörper dadurch fallen, ist das Kraftstoffzulaufsystem des Vergasers undicht, was sich beim Einbau des Vergasers in das Motorrad negativ auf den Kraftstoffverbrauch, die nachbarschaftlichen Beziehungen und die optische Gestaltung des Bodens der bevorzugten Motorradabstellplätze auswirken kann.

Das Maß der Undichtigkeit kann mit Hilfe dieser Versuchsanordnung mit hinreichender Genauigkeit gemessen und somit der Vergaser-Inkontinez-Koeffizient ermittelt werden.



Bestimmung des VIK (Vergaser-Inkontinez-Koeffizient):

Hierzu wird die Zeit gemessen, die vergeht, wenn der Kraftstoffpegel vom Rand der Getriebeölflaschen-Tülle bis zum unteren Ende des Getriebeölflaschen-Tüllenrohres wandert. Die Länge dieses Rohres beträgt bei vollständig ausgezogenem Rohr praktischerweise genau 10 cm, also 0,1 m.

Die Formel lautet: VIK = lg ( 1 / ( s / t ))

Erklärung: Der VIK ist der dekadische Logarithmus des Kehrwertes des Bruchs Länge des Rohres durch die Zeit, die der Kraftstoff-Pegel braucht, um um diese Strecke abzusinken.

Beispiel a): Der Kraftstoffpegel sinkt innerhalb von 10 s um 10 cm (=0,1m) ab: VIK = lg ( 1 / ( 0,1 / 10)) = lg ( 1 / 0,01 ) = lg ( 100 ) = 2

Beispiel b) Der Kraftstoffpegel sinkt innerhalb von 1000 s um 10 cm ab: VIK = lg ( 1 / ( 0,1 / 1000)) = lg ( 1 / 0,0001 ) = lg ( 10000 ) = 4

Klassifizierung von Schwimmerventilen mit Hilfe des VIK-Systems:

VIK-Wert < 2,5: unbrauchbar zur Benutzung im Motorradvergaser

2,5 < VIK-Wert < 5: Schwimmerventil nicht ganz dicht, aber brauchbar, sofern das Motorrad über eine funktionstüchtige Kraftstoffzufuhrunterbrechungseinrichtung (KaZfUE, in Fachkreisen auch Benzinhahn genannt) verfügt UND der Motorradfahrer diese auch betätigt, wenn das Motorrad für längere Zeit abgestellt wird.

VIK-Wert > 5: Hierbei handelt es sich um absolut dichte Schwimmerventile, da das Absinken des Kraftstoffpegels lediglich auf die Verdunstung des Kraftstoffes zurückzuführen ist.

Anmerkungen zum Material:

An Stelle der Kaufland-Apfelschorle-Flasche kann jede andere PET-Flasche mit AVE (Allgemeine Versuchserlaubnis) verwendet werden.

An Stelle des Getriebeöls LiquiMoly SAE 80 GL4 kann auch GL3 verwendet werden. Die Verwendung von GL5 oder gar Hypoidöl kann das Versuchsergebnis massiv verfälschen oder sogar Schäden am Versuchsaufbau hervorrufen ;-)

Das Benzin kann wahlweise mit 2-Taktöl gemischt werden. Bei Verwendung von mineralischem oder teilsynthetischem Öl sollte das Mischungsverhältnis 1:50 bis 1:70 betragen, bei vollsynthetischem Öl kann auch im Verhältnis 1:100 gemischt werden.